Ich bin Team Curry-Floh! 
Der Vergleich von zwei Oldtimer-Veranstaltungen, die kaum vergleichbar sind: Motorworld HistoriCar und 17. Prinz-Friedrich-Oldtimertreffen



Man kann vom Ruhrgebiet halten was man will, aber als Oldtimerfan hat man es leicht. Nein, vielmehr schwer - denn die Veranstaltungen sind so zahlreich, dass die Entscheidung zuweilen schwer fällt. Oder man schreibt sich gleich zwei Termine am gleichen Tag auf den Zettel - so habe ich das Problem heute gelöst.

Das Wetter war BOMBE, man musste förmlich was machen. Das Primärziel hieß "Motorworld HistoriCar". Die "HistoriCar" (damals noch ohne den Zusatz "Motorworld") fand in den vergangenen Jahren im Landschaftspark Duisburg statt und zeichnete sich durch einen schönen Flohmarkt aus und ein schönes Oldtimertreffen-im-Treffen auf dem Parkplatz, der nur mit H-Kennzeichen befahren werden durfte. Die Alltagsgondeln wurden auf die staubigen Massenparkplätze verwiesen, richtig so! Die HistoriCar fiel 2017 schließlich aus und es war absehbar - nachdem der Preis von 6,- Euro auf 9,- Euro gesprungen ist, hieß es, sei der Veranstalter (der auch eine Oldtimerwerkstatt betrieb) in die Insolvenz gegangen. Schade. Neue Hoffnung flammte also auf, als die "Historicar" wieder angekündigt wurde, sogar im Frühjahr und nicht mehr im Herbst, sogar mit dem alten Logo aber dem neuen Zusatz "Motorworld".
Frohen Mutes mit dem glänzenden schwarzen Oldie ging es recht zeitig morgens also Richtung Landschaftspark Duisburg. Vor Ort angekommen, winkte schon eine Ordnerin in Warnweste auf den Parkplatz vor dem Eingang. Ich erkannte einen der medienpräsenten Veranstalter, der nach einem Kumpel-Handschlag einen Besucher mit einem Porsche GT3 RS dahin winkte, wo früher mal die Oldtimer standen. Meiner einer wurde weiter durchgewunken, weiter durchgewunken und irgendwann durfte ich dann meinen Oldtimer auf der hinterletzten Ecke des staubigsten Platzes im ganzen Ruhrgebiet abstellen. Während sich meine eigene Staubwolke auf dem schwarzen Lack niederlegte, fragte ich den Ordner, ob es denn keinen Oldtimer-Parkplatz mehr gäbe, so wie früher. Aus seinem wortlosen Kopfschütteln interpretierte ich eine negative Antwort. Ich schloss also das Schiebedach und die Fenster trotz der knallenden Sonne. Während ich mein Fahrzeug zurück ließ, parkten ein Ford Kuga und ein Daewoo (das Modell ist mir nicht bekannt, weil es mich auf nicht interessiert) neben meinem Oldie ein. Aus der Ferne hörte ich einen Ordner lauthals rülpsen. So taperte ich Richtung Eingang und knirschte mit den Zähnen. Nicht nur, weil der Wohlfühl-Faktor der Veranstaltung bis dato noch völlig auf der Strecke blieb, sondern weil es so staubig war dass ich Sand zwischen den Zähnen hatte.
Einige Minuten später wieder vorne am Eingang angekommen, fragte ich dort einen der Ordner, was das für Parkplätze seien, wo früher die Oldtimer standen und warum so viele davon leer waren. Als kompetente und freundliche Antwort wurde mir entgegnet, das seien die Parkplätze der Veranstalter und da wo "hoch" abgeflattert sei, das seien Oldtimer-Parkplätze. Jetzt knirschte ich wieder mit den Zähnen, diesmal aber ohne Sand.
Obwohl ich eigentlich schon gar keine Lust mehr hatte, lief ich zurück zum Auto mit der Absicht, diesen aus der Mission "Desert Storm" abzuberufen und vorne auf festem Asphalt im Schatten der schönen alten Bäume abzustellen. Was ich dann auch tat. Unter den vereinzelten klassischen Fahrzeugen fiel mein Vehikel mit seiner dicken Staubschicht wenigstens richtig auf!
Dann fiel mir auf, dass da, wo die Ordner standen, nun speziell Oldtimer aus der Reihe gefischt wurden und den Fahrern ein Zettel ins Auto gereicht wurde. Das schaute ich mir an und stellte fest, dass dies eine Einfahrberechtigung für den "VIP-Oldtimer-Parkplatz" sei und diese sei nötig, weil dort der Platz begrenzt sei. Offenbar musste man also nun VIP sein, um bei der HistoriCar auf dem Oldtimer-Parkplatz stehen zu dürfen. Den noch vereinzelten Fahrzeugen folgte ich zu Fuß und kam nach einem recht langen Fußmarsch an einer Durchlasskontrolle an, die von mir als Fußgänger 10 Euro einforderte. Etwas überrascht fragte ich, wenn das der Kurs für Fußgänger sei, was dann Fahrer mit Oldtimer bezahlen würden - Antwort: die Einfahrt mit dem Oldie sei dann inklusive. Aha. Nun gut, dem roten Schein mit dem romanischen Torbogen Adieu gesagt und einen Stempel auf den Handrücken bekommen. Ich war nun also "drin". "Drin" erwartete mich dann Bekanntes: der gesuchte Oldtimer-Parkplatz war nun nicht mehr am sondern IM Landschaftspark, dafür aber recht knapp bemessen. So rangierten einige Fahrzeuge mit Urspung jenseits des Atlantiks etwas unbeholfen inmitten bereits abgestellter Fahrzeuge jeder Coleur. Auch die Trödelstände waren wieder zu finden, aber ganz eindeutig weniger als früher, als die HistoriCar noch keine Motorworld-Zusatz hatte. Stattdessen umso mehr Anbieter mit Wunderklebstoff und Wertgutachten, was man direkt vor Ort zum "Sonderpreis" hätte machen können. Die kulinarische Versorgung sah soweit bekannt aus, es gab u.a. Crepes, Eis, Getränke und aus einem Streamliner wurde u.a. Currywurst für 3,50 Euro verkauft die zugegebenermaßen auf dem Foto recht appetitlich anmutete. Aber um keine 11.00 Uhr morgens war es selbst mir dafür noch zu früh. In der Kraftzentrale bot sich ebenfalls ein bekanntes Bild: Restauratoren, Fahrzeuge zum Kauf, einige Fachstände - man kennt das. Bis dahin hatte ich zwangsläufig einige Schritte getan und langsam kam der Wunsch nach einer Sitzgelegenheit in mir hoch. Dieses Mal ging es auf dem kurzen Wege zurück zum Auto, da sollte in Essen noch ein anderes Treffen sein. Da könnte man ja auch mal eben hinfahren. Aktuelle Tagesbilanz: 10,- Euro für eine, naja, noch nicht ganz so tolle Erfahrung.
Von der Facebook-Veranstaltung direkt in die Route: das Navi kündigte die Ankunft beim Prinz-Friedrich-Oldtimertreffen in Essen nach 35 Minuten Fahrzeit an. Vor Ort bog ich auf einen Parkplatz, wo sich eine freundliche Ordnerin in mein Fenster lehnte: "Halloohoo - Kaffee?" Diese Frage konnte ich zunächst nicht wechseln, dann erklärte mir die immer noch freundliche Dame, dass Fahrer mit Oldtimern einen gratis Kaffee bekämen. Sie gab mir den Gutschein, der beim "Curry-Floh" eingelöst werden konnte. Ohne das Portemonnaie gezückt zu haben wurde ich Teil des Treffens, stellte meinen Oldie ab und erkannte den "Curry-Floh" - der nichts weiter war, als ein Anhänger im Stil eines italienischen Kleinsttransporters, aus dem portable Getränke und Wurstgerichte verkauft wurden. Gegen Herausgabe des Gutscheines erhielt ich eine Tasse Gratis-Kaffee und mein Nebenmann eine Curry-Wurst, die sehr lecker aussah. So eine bestellte ich dann auch, diese war mit 2,80 Euro schon merklich günstiger als das Konkurrenz-Angebot früher am Tag. Auf den grünen Schein mit dem Aquädukt auf der Rückseite ließ ich mir kein Wechselgeld herausgeben, so ist das eben mit dem "Wohlfühl-Faktor". Mit Kaffee in der einen und Curry-Wurst in der anderen Hand beobachtete ich das Treiben, das Kommen und gehen von klassischen Fahrzeugen aller Art und Form, die Leute standen in Grüppchen direkt an den Autos und fachsimpelten. Gute Laune lag in der Luft und der Geruch von selbst gebackenem Kuchen. Im Hintergrund hörte ich mutmaßliche Veranstalter über den guten Erfolg in diesem Jahr sprechen und dass das Kaiserwetter dazu sicher einen großen Teil beigetragen hat. Während ich die nachgewürzten Stücke der Phosphatstange in mich herein schaufelte, zog ich den Vergleich, der eigentlich nicht möglich war: der Tag fing an mit einer Odyssee am Landschaftspark, mit Sand zwischen den Zähnen und auf dem Lack und zur Halbzeit beobachtete ich gerade einen Pulk Vespa-Fahrer, die blechern dröhnend auf den Parkplatz rollerten. "Nebenher" zu sehen gab es beim Prinz-Friederich jetzt nicht so viel, ein kleiner Kuchen-Stand mit Spendenbox der Kinderkrebshilfe, dafür kein Wunderkleber und keine Wertgutachten. Ein Blick auf die Uhr: so spät war es noch nicht, ich war nun gestärkt und hatte noch Bock. Auf dem Handrücken hatte der Schweiß noch nicht alles vom Historicar-Stempel weggewaschen. Da könnte man ja nochmal eben hin, es liegt ja eh auf dem Rückweg. Und schließlich will man ja was für seine 10 Knaller bekommen.
Nach einer Spende an die Krebshilfe und 35 Minuten später bog ich völlig größenwahnsinnig in die Einfahrt des VIP-Oldtimerparkplatzes am Landschaftspark ein - einfach so! Dort winkte ein Ordner, der mich nach der Einfahrtserlaubnis fragte. Tja, scheiße, wieder mal aufgefallen. Das war der Punkt, wo in mir die Szene aus dem Asterix-Film abgespielt wurde - das Haus, das Verrückte macht. Einfach mal googeln, wer das nicht kennt. Die Einfahrtserlaubnis bekäme man am Haupteingang. Aha. Also wieder zurück und tatsächlich, da standen noch die Ordner, die Zettel in die Fahrzeuge hinein reichten. Davon bekam ich dann auch einen - ich war nun offiziell VIP. Ein irres Gefühl, oder? Nee, eigentlich nicht. Den Zettel gab ich an der Einfahrt wieder ab und durfte gegen Vorlage meines gestempelten Handrückens ohne weitere Kosten auf den VIP-Oldtimerparkplatz fahren. Wow. So viele VIPs und ich mit meiner staubigen Karre dazwischen, typisch der Winkler, der ist wieder mal zu faul zum Putzen. Dort angekommen musste ich feststellen, dass gegen 15.00 der Zenit der Veranstaltung klar überschritten war, auf dem VIP-Oldtimer-Parkplatz hätte man problemlos auch ein Setra-Fanclubtreffen zusätzlich abhalten können. Wer es nicht weiß: Setra sind Reisebusse, große Fahrzeuge weil große Lücken... naja, Pointe versaut, OK weiter im Text. Noch einmal über den Platz gelaufen, die Halle aber diesmal ausgelassen und 20 Minuten später saß ich wieder im Auto und fuhr endgültig nach Hause.
Fin.

PS. die "HistoriCar" hat mal 6,- Euro gekostet. Also früher mal, wo eh noch alles besser war. Charmant war damals der wirklich schöne Trödelmarkt und das Treffen-vor-dem-Treffen, eben jenem Oldtimer-Parkplatz, den man nur mit H-Kennzeichen befahren durfte. Die letzte HistoriCar zog dann schon an auf 9,- Euro an. Ein solcher Sprung ist schon saftig und so tat es dann nicht so ganz weh, als 2017 die HistorCar abgesagt wurde. Für 2018 wurde ein neuer Termin verbreitet und mit dem neuen Zusatz "Motorworld" lief die Marketingmaschine auf Hochtouren. Nun kostet die Historicar schon zweistellig, dafür ist man aber auch VIP. Klar ist der Landschaftspark nicht mit dem Parkplatz im Prinz-Friedrich Gewerbegebiet zu vergleichen, aber wer vergleicht hier schon? ;-)
Trotzdem: ich fahre nächstes Jahr lieber zum Curry-Floh.

Bilder beider Veranstaltungen sind in der Galerie zu finden.

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Bernhards VWM-G40 und kleinere Updates 


So ein langes Osterwochenende ist toll und man hat endlich ein paar ruhige Stunden am Rechner. An vielen Stellen dieser Webseite habe ich kleinere Updates durchgeführt und es sollen noch mehr folgen. Komplett neu ist die Vorstellung von Berhards Breitbau-G40 unter den > Freundes-Fahrzeugen <.

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Volkswagen Classic zeigt den IRVW4 "Futura" auf der Techno Classica 2018 


Volkswagen Classic zeigt die Studie "IRVW4 Futura" auf der Techno Classica, die vom 21.-25- März 2018 in der Messe Essen stattfindet. Die Liste der Besonderheiten dieses Experimentalfahrzeuges ist fast endlos: Allradlenkung, Einparkautomatik, Digitalinstrumente, Navigationssystem, Abstandsanzeige, Audioanlage mit destruktiver Interferenz zur Neutralisation von Motor- und Fahrgeräuschen im Innenraum, in die Sitze integrierter Kindersitz, Flügeltüren, Benzin-direkteinspritzender Motor mit G-Lader Aufladung und und und...
Ich werde also mit neuen Fotos für die > Detailseite zum IRVW4 < im Gepäck zurückkommen!

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Öko-Polo in Aktion 


Was seit vielen Jahren geplant war, ist nun geschafft: das wahrscheinlich erste Fahrvideo vom Öko-Polo im Internet! :-) Im Rahmen eines Fotoshootings haben wir die Gelegenheit genutzt und ein paar bewegte Bilder aufgenommen. Diese wurden noch "mal eben" in einen kurzen Film verwurstet und fertig ist das Fahrvideo. Hier der Link dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=VS9VZxboDJc

Mir war wichtig, dass der Zuschauer einen Eindruck erhält, wie sich die Fahrpraxis bei der Superspar-Studie verhält. Und es ist auch eine Hommage an die alte Technik und deren Entwickler, denn trotz knapp 30 Jahren Fahrzeugalter funktionieren alle Systeme noch einwandfrei. Und das, obwohl viele Teile aus dem Versuchsbau stammen. Dafür Chapeau!
Wenn man vom Öko-Polo spricht, tauchen schnell die Unkenrufe auf: "warum hat VW das nicht gebaut" und so weiter und so weiter. Man kann Volkswagen vieles vorwerfen - aber aus meiner Sicht nicht, gute Entwicklungen voran getrieben zu haben. Und besonders aus heutiger Sicht wirkt der Öko-Polo mit seiner... sagen wir "unverwechselbaren" Geräuschkulisse und Handhabung skurril. Trotz meiner persönlichen Faszination für dieses Fahrzeug habe ich Verständnis dafür, dass auch der Öko-Polo in einer Serienproduktion ein Flopp gewesen wäre. Preislich/wirtschaftlich sowieso und ganz besonders aus Gründen des Komforts. Es wird sich niemals eine Mehrheit freiwillig derart selbst kasteien, wenn sie sich den Komfort leisten kann. Aber nun genug mit der Philosophie - viel Spaß mit dem Video.

Euer
Mail Man G40



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