Editorial zur Kurzzeitkennzeichen-Diskussion: Heult doch! 


Es war doch alles so schön einfach! Selbstgebaute Fahrwerkskomponenten, rostige Karosserie und höchst "individuelle" Abgasanlagen - aber egal! Für den schnellen "Genuss" eines solchen Meisterwerkes gab es immer die Nummer ohne Kummer: das Kurzzeitkennzeichen. Kein TÜV-Ingenieur popelt in den Rostlöchern und keine Abgassonde schnüffelt in der Sidepipe nach absurden CO-Werten. Nur eben eine Doppelkarte geholt und ab zum Straßenverkehrsamt. Wer dann noch auf einen gutgläubigen Sachbearbeiter gestoßen ist, hat nicht einmal eine Fahrgestellnummer im provisorischen Fahrzeugschein eingetragen bekommen. So konnte man am laufenden und den folgenden vier Tagen gleich mehrere Fahrzeuge mit einer Zulassung bewegen (was natürlich nicht erlaubt ist). Das ist doch Freiheit pur, so fährt man doch gerne mit seinem Individual-Mobil für einen knappen Zwanni am Tag dem Sonnenuntergang entgegen!

Natürlich wären wir nicht Deutschland, wenn wir nicht ständig an den Gesetzen herumfummeln würden. Und so kam, was kommen musste: der Bundesrat beschloss nun eine Gesetzesänderung zum geliebten Kurzzeitkennzeichen! Ohne gültigen TÜV-Freifahrtschein geht künftig nichts mehr und auch die Fahrgestellnummer wird nun zwingend direkt bei der Zulassung eingetragen. Vorbei das sorgenfreie Tagesquintett mit dem Individual-Mobil! Ein Aufschrei geht durch die Szene: "wie kann man nur?" Man spricht von der Zweckentfremdung des Kurzzeitkennzeichens und startet > Online-Petitionen <, um doch noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Schon jetzt landen die ersten Fahrzeuge auf dem Markt oder unter der Luftdrucksäge. Leute, die sich sonst nur auf Facebook anpöbeln, sind plötzlich vereint und heulen gemeinsam der gelben Nummer hinterher, so wie eine Witwe am Grab ihres Gatten. Ich bin gespannt, ob am Tag des Inkrafttretens Trauermärsche stattfinden - Konvois werden es mangels TÜV der Fahrzeuge ja nicht sein.

Tja, da habt Ihr den Salat. Da muss ich leider mit dem virtuellen Finger auf Euch zeigen und sagen "Ha-Ha!". Meine Meinung? Selber schuld! Das Kurzzeitkennzeichen bot eine Menge Spielraum, Fahrzeuge in den öffentlichen Verkehrsraum zu bringen, der zunehmend dichter, aggressiver aber auch paradoxerweise sicherer wird. Diese (Verkehrs-)Sicherheit war beim Kurzzeitkennzeichen Vertrauenssache, da sie in die Verantwortung des Halters gelegt wurde. Vertrauen funktioniert aber nur so lange, bis es missbraucht wird. Zu viele haben sich offenbar gedacht: Spielräume sind dazu da, diese voll und noch mehr auszuschöpfen. So wurde schon der Bestimmungszweck der Fünftageszulassung so weit gebogen, dass es passt. Denn während eine (erlaubte) Probefahrt stattfindet, kann man ja fünf Abende genüsslich in den Sonnenuntergang cruisen und zum Tuning-Treffen fahren - oder etwa nicht? Wie so oft zählt aber der Eindruck des Fahrzeugs. Wenn ein Fahrzeug wie eine Mülltonne aussieht, sich wie eine Mülltonne anhört und in vielen Fällen einfach eine Mülltonne IST - dann hat sowas nichts auf der Straße verloren. Auch nicht mit 5-Tages-Kennzeichen. Basta. Ich habe von haarsträubenden Dingen gelesen - in der heimischen Garage umgeschweißte Federbeine, viele hundert Pferdestärken in Kleinstwagen, Abgasanlagen wie aus einem Mad-Max-Film - um nur einige Dinge zu nennen. Man hat die Gesetzesänderung förmlich provoziert und nun ist das Geschrei groß. Sicher, es gibt Beispiele, wo das Kurzzeitkennzeichen sehr nützlich war. Und von der bevorstehenden Änderung bin ich selbst betroffen: Bewegungsfahrten und Überführungsfahrten beim Autokauf als Beispiel. Ich habe selbst ein Fahrzeug, bei dem eine volle TÜV-Abnahme zwar möglich, aber unglaublich aufwendig wäre. Da war bislang eine gelegentliche Fahrt auf Kurzzeit günstiger und einfacher. Das geht zukünftig nicht mehr und das bedaure ich selber. Auch wenn man sich ein Auto angeschaut hat, was vielleicht keinen TÜV mehr hat - man konnte es mit der gelben Nummer eben vom Käufer abholen und dann in Ruhe zu Hause alle Formalitäten angehen. Oder auch nicht und ohne TÜV noch weitere 4 Tage durch die Gegend dödeln...
Grundsätzlich lehne ich auch die kommenden Gesetze ab. Aber ich begrüße allerdings die Tatsache, dass jede Menge Müllhaufen von der Straße geholt werden, die da einfach nicht hingehören. Wer sein Fahrzeug liebt und pflegt, der wird vor eine Vollzulassung mit TÜV nicht zurückschrecken. Und wer -wie ich- über viel mehr Fahrzeuge verfügt, als man unter halbwegs vernünftigen Aspekten auch anmelden kann, der muss eben ein System entwickeln und bewusst immer mal wieder Fahrzeuge stilllegen.

Das alles ist aber meiner Meinung nach kein Grund, sich jetzt die Augen auszuheulen. Wer will, kann es trotzdem machen. Wie man eben in den Wald hineinruft...

Euer
Sebastian Winkler

  Permanentlink
Keineswegs untätig 


Zugegeben, es kam lange kein Blog-Eintrag auf G-Lader.info. Was aber nicht heißt, dass ich auf der faulen Haut liege. Der Knackpunkt ist eher der, dass die aktuellen Ereignisse für G-Lader-Fans weniger interessant sind - und schließlich bemühe ich mich ja, hier möglichst nur Inhalte mit G-Lader-Hintergrund zu veröffentlichen.

Wer dennoch Bildchen von berädertem Altblech gucken möchte, kann dies in der Galerie tun:

> Oldtimerrallye Schermbeck Classic 2014 <

> Oldtimerrallye DAMF Dinslaken 2014 <

> HistoriCar Duisburg <

> Freies Old- und Youngtimertreffen 26.10.2014 <

  Permanentlink
Volkstyle Base Vol. II 


Das Event Volkstyle Base feierte seine erste Wiederholung und knüpfte nahtlos an das Konzept vom letzten Jahr an: eine tolle Location und themenbasierte Hangare mit den (selbsternannten?) Highlights. Wo auf dem ehemaligen Militärflugfeld früher Flugzeuge starteten, war an diesem Tag nur eines abgehoben: die Preise. Ich kenne Eintrittsgebühren für Tagestreffen zwischen 5,- und 10,- Euro als allgemein üblich, für besondere Qualität (M.I.V.W) akzeptiere ich auch mal 15,- Euro. Aber Volkstyle Base schlug mit ganzen 17,- Euro zu Buche und bot weder eine Willkommenstüte mit einer alten Klolektüre (VW-Zeitschrift) bzw. einen Aufkleber o.ä. noch andere erwähnenswerte Dinge. Angeblich 12,- Euro Eintritt und 5,- Euro Parking - ja nee, soll ich mein Auto in die Hosentasche packen? Für mich steht fest: am Tag der Volkstyle Base Vol. III werde ich nächstes Jahr eine andere Veranstaltung einplanen. Ein paar teure Bilder habe ich trotzdem mitgebracht: > Galerie <

  Permanentlink
Editorial: Früher der Neon-Klecks, heute "Stancing" 


Man kann sich fragen, was "Mode" eigentlich genau ist. Ich denke dabei zuerst an halbnackte, anorektische Models, die in unpraktischen Kleidungsstücken über einen Pariser Laufsteg stöckeln. Ist Mode das, was uns gut gefällt, oder das, was uns suggeriert wird, zu gefallen? Oder einfach nur ein Herdentrieb, getragen und multipliziert von den Medien? Dazu darf jeder seine eigene Ansicht ermitteln.

Dies ist wieder einmal ein Editorial von mir, dem Webmaster, und daher schreibe ich auch ein paar Gedanken von meiner Seite dazu auf. Ich für meinen Teil habe viele Moden kommen und gehen sehen. Oder man sagt "Trends" dazu, auch diese kommen und gehen. Sehr lebhaft erinnere ich mich an die 1980er. Airbrushs auf der Motorhaube lagen einmal voll im Trend. Heulende Wölfe, Gewitterhexen, im Mondlicht springende Delphine - die Kreativität machte auch damals schon keinen Halt. Später waren es die neon-farbenen Kleckse, die bevorzugt an Kleinwagen-Karosserien hafteten. Hand aufs Herz - wer hat sich damals den Aufkleber aus dem Baumarkt mitgebracht, zwischen Primeln und Grillkohle? Ich jedenfalls nicht. Ein paar Jahre später waren Flipflop-Lackierungen der letzte Schrei. Kaum ein Highend-Tuningfahrzeug kam ohne schillernde Mehrfarblackierung aus. Und hier muss ich tatsächlich zugeben, dass es Farbkombinationen gab, die mir persönlich sehr gut gefallen haben. So - bis hierhin mal ein Summenstrich. Was sehen wir davon heute noch? Kaum etwas. Diese Trends sind vorbei, diese Mode ging schon lange in die Altkleidersammlung, sind so uncool geworden wie das Arschgeweih.

Auch heute schlendere ich noch über Auto-Treffen und stelle fest, wie alt und verknöchert ich doch mit meinen Ansichten geworden bin. Der Trend zum "Rat-Style Look" schwappte aus der US-Szene rüber und hat sich lange gehalten. Inzwischen ebbt die Zahl von Fahrzeugen mit Rost-Effekt lackierten Plastikstoßstangen (zum Glück) wieder ab. Neue "Ratten" (frei übersetzt ist eine "Ratte" ein mutwillig zerstörtes Fahrzeug mit der Absicht zu zeigen, dass sich der Besitzer für gar nichts schämt) werden zukünftig dann wohl nur noch von Leuten gebaut werden, die sich einfach keine vernünftige Karre leisten können. Ich frage mich immer, was einmal deren Kinder denken, wenn Papa ihnen die Fotos seines Autos von früher zeigt? Noch recht neu oder bislang außerhalb meiner Wahrnehmung scheint aktuell das so genannte "Stancing" zu sein. Dazu habe ich mich im Internet mal nach einer Definition umgesehen und fand sinngemäß folgende Erklärung: "Stancing ist das Verändern der Rad-Reifen- und Fahrwerkskombinationen in der Art, dass Reifenflanke und Kotflügelkante möglichst nah in Ruheposition stehen." Aha. Meine eigene Definition könnte lauten: "Stancing ist eine Art des Tunings, mit möglichst viel Geldaufwand und irreversiblen Veränderungen an der Karosserie die maximale Verschlechterung der Fahrbarkeit zu erlangen." Ja, mit der Erklärung kann ich mich anfreunden. Mitnichten - ich glaube niemand hat etwas gegen schöne Felgen, die auch teuer sein können. Nicht einmal ich, der sich selber als notorischer Motzkopf sieht. Nur ein paar Erlebnisse beim zuletzt besuchten M.I.V.W wollen (müssen?) offenbar noch verarbeitet werden: da gab es diese - nennen wir sie mal "VW- und Audi-Fans", die mit ihrem Fahrzeug aus aktueller oder nur kürzlich eingestellter Produktionslinie voll angesagt waren, zumindest wenn man den Medien (s.o.) glaubt. Fette Pellen fallen sofort ins Auge, die allein mehr kosten als ein gepflegter Youngtimer (MIT Charakter... *hust*). Fehlen darf auch nicht der Ebay- Standardsatz Sticker (Shocker-Hand, Wheel-Whore... das volle Programm eben). Und natürlich Airride, ein Luftfahrwerk mit variabler Höhe (aber scheiße zu fahren). Und so gab es sich, dass diese Kombinationen aus Fahrzeug und "Fan" über den Platz gockelten und wenn mal zu viele Leute in andere Richtung guckten, wurde kurzerhand das Luftfahrwerk auf die maximale Tiefe gefahren. Das führte dann natürlich dazu, dass irgendwas lautstark auf der Fahrbahn kratzte. Natürlich guckten dann wieder alle, Ziel erreicht. Ein Teil der Beobachter fokussierte den Grad der Tieferlegung des Fahrwerks, der andere die Tieferlegung des Geisteszustandes der Insassen. Effekthascherei um jeden Preis - das ist die Konstante in allen Trends. Was das Rad für den Pfau oder der rote... naja... für den Pavian, das ist Bling-Bling für die so genannte Automobilkultur. Vorbei ist die Zeit, in der einfach interessante Fahrzeuge zählten - heute haut man einen Golf >5 platt auf die Straße, packt fette Räder und einen Haufen Sticker drauf. Fertig ist der Pokaljäger und der Artikel in der Szenezeitschrift.

Trends polarisierten schon immer und das wird sich wohl auch nie ändern. Interessant finde ich nur, dass ich selber immer häufiger auf der Seite stehe, die verständnislos mit dem Kopf schüttelt.

Nehmt es mir bitte nicht übel und wer das schön findet - bitte. Ich muss ja nicht damit fahren. Früher war eh alles besser, inklusive der Rechtschreibung - das geht an alle, die sich über die (allerdings korrekte) Schreibweise des Wortes "Delphine" wunderten.

Euer
Sebastian Winkler

  Permanentlink

<< <Zurück | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | Weiter> >>


    Einloggen