Modelle

bb Buchmann Polo

Der Buchmann Polo Paris und der Buchmann Polo Carat gehören zu den außergewöhnlichsten VW Polo der frühen 1980er-Jahre. Heute gelten sie als visionär und ihrer Zeit weit voraus.

Hintergrund

Der Frankfurter Fahrzeugveredler Rainer Buchmann (bb Auto) war in den 1970er- und 1980er-Jahren für seine innovativen Umbauten bekannt. Auf Basis des neuen VW Polo 86C entwickelte Buchmann zusammen mit Volkswagen die Designstudie„Prisma“, aus der 1982/1983 die Kleinserienmodelle Polo Paris und Polo Carat hervorgingen. Ziel war es, einen Kleinwagen mit dem Komfort und der Exklusivität deutlich größerer Luxusfahrzeuge auszustatten.

Unterschiede zwischen Polo Paris und Polo Carat

Obwohl beide Modelle technisch auf dem VW Polo basierten, unterschieden sie sich im Design und ihrer Ausrichtung:

Polo Paris

  • Eleganter und zurückhaltender gestaltet
  • Weichere, rundere Karosserieformen
  • Eher auf Komfort und stilvolles Auftreten ausgelegt
  • Ursprünglich auf ein eher weibliches Publikum zugeschnitten
  • Schmalere Bereifung (175er)

Polo Carat

  • Deutlich sportlicheres Erscheinungsbild
  • Kantigere Front- und Heckschürzen
  • Breitere 185er-Pirelli-Bereifung
  • Auffälligeres Auftreten mit sportlichem Charakter

Technische und optische Besonderheiten

Die Buchmann-Polos waren ihrer Zeit weit voraus. Zu den Highlights gehörten:

  • Spezielle zweifarbige Effektlackierungen
  • Individuelle Karosserieanbauteile
  • Pirelli-Felgen
  • Recaro-Sitze mit elektrischer Verstellung
  • Alcantara-Ausstattung
  • Blaupunkt-HiFi-Anlage mit bis zu zwölf Lautsprechern
  • Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung, damals nahezu revolutionär

Das DINFOS-System: Jahrzehnte seiner Zeit voraus

Die größte Besonderheit war das elektronische Informationssystem DINFOS (Digitales Informationssystem). Bereits 1982 bot es Funktionen, die erst viele Jahre später in Serienfahrzeugen üblich wurden:

  • Digitale Anzeige von Geschwindigkeit und Fahrzeugdaten
  • Durchschnittsverbrauch
  • Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Fahrzeitberechnung
  • Außentemperaturanzeige mit Glatteiswarnung
  • Überwachung von Ölstand, Kühlwasser und Batteriespannung
  • Mehrsprachige Darstellung (Deutsch, Englisch, Französisch)
  • Begrüßungsfunktion beim Fahrzeugstart („Guten Tag“)

Produktion und Preis

Die Fahrzeuge waren extrem teuer. Ein Polo Carat kostete rund 45.000 DM, was damals auf dem Niveau einer gut ausgestatteten Oberklasse-Limousine lag.

Die Stückzahlen waren entsprechend gering:

  • Vom Polo Carat entstanden 21 Exemplare.
  • Zusammen mit dem Polo Paris wurden insgesamt etwa 40 Fahrzeuge gebaut.

Bedeutung heute

Der Buchmann Polo gilt heute als Meilenstein des deutschen Tunings. Viele seiner Innovationen, etwa digitale Fahrerinformationssysteme, Lenkradbedienung, Funkfernbedienungen oder elektronische Komfortfunktionen, fanden erst Jahre später den Weg in die Großserie. Aufgrund der extrem kleinen Stückzahlen sind erhaltene Exemplare heute sehr selten und bei Sammlern begehrt.

Der bb Buchmann Polo Paris und Polo Carat waren keine gewöhnlichen Tuningfahrzeuge, sondern technologisch visionäre Luxus-Kleinwagen. Mit Digitalcockpit, elektronischen Komfortfunktionen und exklusivem Design zeigten sie bereits 1982, wie moderne Fahrzeuge Jahrzehnte später aussehen würden. Speziell der auf nur 21 Exemplare limitierte Polo Carat zählt heute zu den seltensten und interessantesten deutschen Tuningklassikern und ganz sicher zu den ganz, ganz Besonderen!