Downsizing extrem: Öko-Polo
Der Öko-Polo war ein Forschungsfahrzeug von Volkswagen aus den 1980er Jahren. Im Mittelpunkt standen nicht Leistung und Sportlichkeit, sondern ein möglichst niedriger Kraftstoffverbrauch sowie geringe Schadstoff- und Geräuschemissionen. Entwickelt wurde das Projekt von Volkswagen und der Ingenieurgesellschaft IAV.
Die Idee
Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre wurde deutlich, dass sparsame Fahrzeuge wichtiger werden. Volkswagen entwickelte deshalb ein alltagstaugliches Auto mit niedrigem Verbrauch, ausreichender Leistung für die Autobahn und möglichst umweltfreundlicher Technik.
Die Ingenieure experimentierten mit kleineren Motoren, Aufladung und Direkteinspritzung. Ziel war es, die Vorteile eines kleinen Motors mit den Fahrleistungen größerer Triebwerke zu verbinden. Nach verschiedenen Konzepten mit Drei- und Zweizylindermotoren im Versuch entschied man sich für den damals neu entwickelten G-Lader für die Aufladung.
Verbrauchsrekorde
Besonders bekannt wurde der Öko-Polo durch eine Testfahrt von Wolfsburg nach Südfrankreich. Dabei erreichten zwei Fahrzeuge einen Durchschnittsverbrauch von nur 1,7 Litern Diesel pro 100 Kilometer. Unter normalen Alltagsbedingungen lag der Verbrauch bei etwa 3 Litern pro 100 Kilometer und damit deutlich unter den Werten vergleichbarer Fahrzeuge.

Montage der Öko-Polos in Berlin vor dem Feldversuch
Praxistest in Berlin
Zwischen 1989 und 1992 wurden 50 Öko-Polos in Berlin im Alltag getestet. Die Fahrzeuge kamen unter anderem bei den Berliner Verkehrsbetrieben und sozialen Einrichtungen zum Einsatz. Insgesamt sammelten rund 180 Fahrerinnen und Fahrer Erfahrungen mit der neuartigen Technik und „erfuhren“ insgesamt rund 300.000 Kilometer unter alltäglichen Praxisbedingungen.
Die Technik
Der Öko-Polo besaß einen nur 858 cm³ großen Zweizylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung. Durch den automatisch zuschaltbaren G-Lader leistete er bis zu 40 PS und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 138 km/h.
Besondere Merkmale waren:
- Start-Stopp-System
- sogenannte Schwungnutzautomatik (Motor schaltete sich beim Rollen automatisch ab)
- halbautomatisches 5-Gang-Getriebe
- Abgasrückführung zur Reduzierung von Stickoxiden
- Partikelfiltersystem zur Verringerung von Rußemissionen
Viele dieser Technologien fanden später ihren Weg in Serienfahrzeuge.
Karosserie
Äußerlich unterschied sich der Öko-Polo nur wenig vom normalen Polo II. Er erhielt lediglich einige aerodynamische Verbesserungen wie einen kleinen Frontspoiler, einen Heckspoiler und die auffälligen Regenbogen-Streifen an den Fahrzeugseiten.
Ergebnisse des Projekts
Die Tests zeigten, dass der Motor zuverlässig und sehr sparsam war. Verbrauchs- und Emissionsziele wurden größtenteils erreicht. Probleme gab es vor allem durch die starken Vibrationen des Zweizylinders und bei der Haltbarkeit des Partikelfilters.
Bei einer Befragung bewerteten über drei Viertel der Nutzer das Fahrzeug positiv. Trotzdem hätte der Öko-Polo wegen seiner aufwendigen Technik zu teuer produziert werden können.
Bedeutung
Eine Serienfertigung kam deshalb nie zustande. Dennoch gilt der Öko-Polo heute als wichtiger Technologieträger. Viele seiner Ideen, darunter Start-Stopp-Systeme, besonders sparsame Dieselmotoren und Verbrauchsoptimierung, fanden später in Fahrzeugen wie dem Golf Ecomatic, dem Lupo 3L und dem XL1 Verwendung.
Heute existieren nur noch wenige Öko-Polos. Sie erinnern daran, wie weit Volkswagen seiner Zeit beim Thema Kraftstoffverbrauch und Effizienz bereits in den 1980er Jahren voraus war.
Video über den Öko-Polo von unserem Mitglied Sebastian
Beitragsbild CC BY-SA 4.0 Mail Man G40

